LEO — Das Anhalt Magazin

Dein Kompass durch Klub,
Kultur und Kneipe in Anhalt.

November 2017
November 2017
LEO November 2017
LEO News
Baumann & ClausenLEO Glücksmoment
Baumann & Clausen© Jan Voth

"Baumann & Clausen werden weit über die Rente hinaus arbeiten"

Veröffentlicht am Mittwoch, 25. Oktober 2017

Käffchen? Bingo! – Seit 1993 schallt dieser prägnante Kurzdialog beinahe täglich deutschlandweit aus den Radios. Vor fast 25 Jahren schufen Jens Lehrich und Frank Bremser die beiden Beamten Hans-Werner Baumann und Alfred Clausen, die im Rathaus des fiktiven schleswig-holsteinischen Örtchens Neddelhastedtfeld ihren Dienst tun – oder das, was sie dafür halten. Neben inzwischen mehr als 6.500 Radiofolgen sind „Baumann & Clausen“ seit Jahren auch mit Bühnenauftritten äußerst erfolgreich. Im November kommen sie mit „Die Schoff“ nach Dessau und Wolfen. LEO sprach mit den beiden Köpfen hinter den Kultfiguren, die ihnen als Autoren, Produzenten und Darsteller in Personalunion ihr Bürokratenleben einhauchen.

Deutschlands Lieblingsbürokraten feiern nächstes Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Wie entstand die Idee, zwei Beamte zu Radiostars zu machen?

Jens Lehrich (Baumann): Ich war zu der Zeit als Volontär Reporter in einem Rathaus und hatte von unserem Chefredakteur den Auftrag bekommen, den Baudezernenten zu interviewen. Mich hat einfach die Ruhe in diesem Bauamt fasziniert. Während ich bei der Sekretärin auf mein Interview wartete, lackierte die sich ungeniert in aller Gelassenheit die Fingernägel und putze anschließend den Gummibaum. Keine Akten, kein Publikumsverkehr, einfach nur entspannte Atmosphäre, das hat mich fasziniert und ich habe es dann abends Frank beim Feierabendbier in unserer Volontärs-WG erzählt.

Frank Bremser (Clausen): Jens meinte gleich, daraus kann man doch was machen und so haben wir dann rumphilosophiert und die ersten Ideen für Baumann & Clausen auf eine alte Persil-Packung geschrieben. Damals wussten wir aber noch nicht, dass die Serie Baumann & Clausen heißen würde, das hat sich dann im Laufe der Zeit erst so entwickelt. Das Meiste haben wir anfangs zu Hause und in unserer Freizeit gemacht und konzipiert, weil es ja im Sender für Comedy damals gar keine Strukturen gab. Das Thema Comedy steckte 1993 noch in den Kinderschuhen.

Jens Lehrich: Die erste Idee für Baumann & Clausen war übrigens, dass ein Kollege vom Ordnungsamt im Fahrstuhl steckengeblieben ist, aber nicht vor Feierabend den Alarmknopf gedrückt hat. Daraus haben wir dann auch unsere allererste Radiofolge gemacht.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Ihre Comedy mehr ist als der berühmte Achtungserfolg?

Frank Bremser: Das ging verrückterweise echt schnell. Die ersten Hörerresonanzen auf Baumann & Clausen waren so unglaublich positiv, dass wir schon ahnten, das könnte Erfolg haben. Aber natürlich niemals in der Dimension, die es bis heute erreicht hat. Unglaublich und der absolute Wahnsinn, dass wir mit dieser Ursprungsidee mittlerweile auf 21 Radiostationen in ganz Deutschland ausgestrahlt werden und über 100 Bühnenauftritte im Jahr haben.

Sehen Sie sich als Wegbereiter bürgerfreundlicherer Behörden, wie Sie einst vom Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten bezeichnet wurden? Wo würden Sie sich vielleicht auch noch etwas größeren Einfluss wünschen?

Jens Lehrich: Tatsächlich entspricht die Grundhaltung von Baumann & Clausen einem Klischee, das über Beamte hier in Deutschland vorherrscht, das auch ein bisschen aus einer anderen Zeit stammt. Es gibt nämlich sehr wohl viel Innovation in diesem Bereich und auch bürgerfreundlichere Behörden. Das Problem ist heute nicht mehr, einen Reisepass zu beantragen, das Problem liegt eher in der überregionalen Bürokratie, die uns zum Beispiel von der EU übergestülpt wird. Mich ärgert es einfach, wenn man uns die Glühbirne verbietet, angeblich aus Umweltschutz, und man aber im Gegenzug Energiesparlampen einführt, die nachweislich die Gesundheit massiv gefährden.

Auch will man durch neue Abgasverordnungen europaweit PKWs aus den Innenstädten mehr und mehr vertreiben (was ich grundsätzlich befürworte), aber auf der anderen Seite haut ein Kreuzfahrtschiff so viel Abgase raus, wie insgesamt 5 Millionen PKW auf gleicher Strecke. Diese Ungleichgewichte, die durch Politik und Bürokratie entstehen, sind für das neue moderne Baumann & Clausen ein hervorragendes Sprachrohr, um die Wut der Leute über den Regulierungswahn humorvoll zu kanalisieren.

Wie entstehen die einzelnen Folgen und das Showprogramm?

Frank Bremser: Baumann & Clausen entsteht überall. Das kann eine Idee nachts im Schlaf genau so sein, wie morgens an der roten Ampel oder beim Einkaufen. Und so ist es auch mit den Bühnenprogrammen.

Der Humor von Baumann & Clausen ist der Realität „vom Munde abgeschaut“, das macht Baumann & Clausen nach unseren Feedbacks, die wir von Hörern und Zuschauern zahlreich bekommen, auch so beliebt.

Werden Sie auch auf der Straße erkannt und vielleicht zu einem Käffchen eingeladen?

Jens Lehrich: Das passiert eher selten, kommt aber natürlich ab und zu vor. Wir sind ja eine Radio-Comedy und daher optisch nicht so präsent wie zum Beispiel Dieter Nuhr oder Mario Barth. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich in der Öffentlichkeit privat bewegen kann. Aber natürlich freut es uns, wenn wir angesprochen werden und dann gibt es manchmal auch Zeit für ein Käffchen. ;-)

Das aktuelle Bühnenprogramm heißt „Die Schoff“. Worauf können sich die Fans freuen?

Frank Bremser: „Die Schoff“ ist der Blick in die Zukunft der Behörden und ihrer Antragsteller. Themen wie die Digitalisierung, das mögliche Bargeldverbot und aber auch viele moderne Trends aus Ernährung und Medizin werden hier aufs Korn genommen. Den Zuschauern gefällt der Mix aus Stand Up und Musik, aus Spontaneität und Freude am Leben richtig gut. Die Feedbacks auf das neue Programm sind sehr stark. Das freut uns sehr, da wir knapp 2 Jahre an der Schoff gearbeitet haben. Ganz nebenbei verrät Alfred Clausen auch einige pikante Details aus seinem Privatleben mit Ella und Hans-Werner präsentiert zum ersten Mal einen eigenen Poetry-Slam.

Nochmal zurück zum 25. Geburtstag: Gibt es über „Die Schoff“ hinaus Pläne, das Vierteljahrhundert zu feiern?

Frank Bremser: Klar wird das gefeiert. Aber alles noch „TOPF SEKRET“, wie Alfred es aussprechen würde. Näheres dazu erfahren dann alle unsere Baumann & Clausen-Fans auf unserer Homepage: www.baumannundclausen.de

Wie geht es mit „Baumann und Clausen“ weiter? Folgt auf Radio, Internet und Bühne vielleicht irgendwann das Kino? Oder denken Sie etwa über die Pensionierung nach?

Jens Lehrich: Nein, die Pensionierung ist noch lange nicht geplant, Baumann & Clausen werden weit über die Rente hinaus arbeiten. (Lacht) Vielleicht kommen wir damit dann ja auch ins Guinness-Buch der Rekorde.

Frank Bremser: Kino ist eine tolle Idee, darüber haben wir auch schon viel nachgedacht, aber es gibt da ein Problem: wir wissen einfach nicht, wie wir Ella auf die Leinwand kriegen sollen.

Jens Lehrich: Darauf ein Käffchen?

Frank Bremser: BINGO.

LEO Glücksmoment

Wir verlosen je 1 x 2 Freikarten für "Baumann & Clausen" am 12. November 18 Uhr im Anhaltischen Theater in Dessau und am 9. Dezember 15.30 Uhr im Stadthaus in Wittenberg. Einsendeschluß: Sonntag, 26. November 2017

am Gewinnspiel teilnehmen


LEO mit deinen Freunden teilen:

Weitere Tagestipps