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Jan Henric Bogen – Intendant Kurt Weill Fest – im Kurt Weill Zentrum DessauLEO Glücksmoment
Jan Henric Bogen – Intendant Kurt Weill Fest – im Kurt Weill Zentrum Dessau© Hartmut Bösener

Kurt Weill Fest

Veröffentlicht am Dienstag, 28. Januar 2020

„Was sind Grenzen?“ fragt das Kurt Weill Fest Dessau vom 28. Februar bis 15. März. Mehr als 50 Veranstal-tungen werden in der Geburtsstadt des Komponisten, aber auch landesweit, an verschiedenen Spielorten zu erleben sein. Erwartet werden Künstler und Ensembles aus aller Welt, darunter Tenor Rolando Villazón, Bassbariton Thomas Quasthoff, Schauspielerin Martina Gedeck und das aus der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ bekannte „Moka Efti Orchestra“. Im Mittelpunkt stehen natürlich auch diesmal die Kompositionen Kurt Weills, von den weniger bekannten bis zu den weltberühmten.
Als künstlerischer Leiter gibt Jan Henric Bogen sein Debüt. Der 36-jährige Kulturmanager, Musikwissenschaft-ler und Jurist will mit dem Programm nicht nur unterhalten, sondern verbindet mit dem Festivalmotto und den Veranstaltungen selbst auch noch tiefergehende Ziele, wie er im LEO-Gespräch deutlich macht.

Sie lösen in diesem Jahr nicht nur einen erfolgreichen Vorgänger ab – was schon für sich genommen spannend wäre – sondern gleich ein ganzes Intendantenquartett. Wie lief dieser Wechsel hinter den Kulissen ab? War es der sprichwörtliche „Sprung ins kalte Wasser“ oder ein eher sanfter Übergang?

Jan Henric Bogen: Sanfter Übergang ist sicherlich ein treffendes Bild. Ich will mich da auch noch einmal bei allen vier Vorgängern – Johannes Weigand, Markus L. Frank, Jürgen Scherbera und Gerhard Kämpfe – bedanken, das Festival in einem so guten Zustand übernehmen zu dürfen. Und dafür, dass es in der Übergangszeit immer eine offene Tür gab und natürlich auch jetzt über das Anhaltische Theater immer noch der Kontakt mit den Vorgängern da ist. Ich glaube auch dadurch, dass das Quartett immer als Interimslösung gedacht war, hat sich da keinerlei Konkurrenz, Argwohn oder ähnliches eingeschlichen.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Theater beim Festival?

Jan Henric Bogen: Es ist für uns einer der wichtigsten Partner, die wir haben. Einerseits, weil die Anhaltische Philharmonie mit verschiedenen Programmen vertreten ist. Andererseits, weil es natürlich auch in diesem Jahr Produktionen des Anhaltischen Theaters zu sehen geben wird. Zum Beispiel „Die Sache Makropulos“, die in Kooperation mit uns entstandene „Dreigroschenoper“ oder auch „Cabaret“. Das Theaterprogramm und auch die technische Unterstützung, wenn wir zum Beispiel ins Bahnwerk gehen, sind für uns unverzichtbar und wir sind wirklich sehr dankbar für diese Kooperation. Diese Verzahnung aus Programmplanung, Infrastruktur und nicht zuletzt auch, dass wir viele Abende im Anhaltischen Theater auch selbst spielen dürfen, ist wahnsinnig wichtig. Auch für die Zukunft gibt es da einen sehr engen Austausch.

In unserem Gespräch im vergangenen Jahr haben sie „gestanden“, dass sie das Kurt Weill Fest bis dahin nicht als Zuschauer verfolgt hatten, das aber umgehend nachholen würden. Wie haben Sie das Festival erlebt?

Jan Henric Bogen: Ich finde, das Kurt Weill Fest ist ein einmaliges Gesamterlebnis. Und vor allen Dingen dann, wenn man nicht nur eine Veranstaltung besucht, sondern sich ein persönliches „Festivalpaket“ schnürt. Dann hat man hier die Möglichkeit, so nah wie sonst beinahe nirgends an Künstler heranzukommen, immer wieder an besondere Orte zu gehen und man hat verschiedene Genres so dicht beieinander wie nirgendwo sonst. Wir sind kein reines Klassikfestival, wir machen auch Musical, wir machen auch Jazz. Das finde ich einmalig und das hat mir im vergangenen Jahr als Zuschauer sehr viel Spaß gemacht. Jetzt macht es mir auch als Intendant sehr großen Spaß.

Wie hat sich denn Ihr Wissen über und Ihr Verhältnis zu Kurt Weill in den letzten 12 Monaten verändert?

Jan Henric Bogen: Natürlich habe ich ganz viel dazugelernt. Ich habe auch sehr viele Partner des Kurt Weill Festes und der Kurt-Weill-Gesellschaft kennen gelernt. Zum Beispiel eben Jürgen Schebera, der einem als Weill-Biograph, sprichwörtlich gesprochen, wirklich jedes Komma in der Biographie Weills erklären kann.

Ich habe auch neue Werke kennengelernt, die vielleicht weniger bekannt sind. Ich durfte zur Lotte Lenya Competition nach Rochester in die USA reisen. In der dortigen Musikbibliothek gibt es die Manuskripte der „Dreigroschenoper“, also Weills persönliche Handschriften. Übrigens wurden diese vom Verlag auch einmal an einen Dirigenten verschickt, der – nicht wissend, was er da vor sich hatte – davon ausging, eine von einem Kopisten angefertigte Abschrift bekommen zu haben. Also hat er seine Anmerkungen hineingeschrieben. Glücklicherweise lässt sich nachweisen, wer dieser Dirigent war – und zwar kein Geringerer als Leonard Bernstein. Dadurch hat es dann doch einen gewissen Zeitwert. (lacht) Wenn man diese Dokumente dann in der Hand hält, ist das schon etwas sehr besonderes. Ich konnte also wirklich ganz intensiv in diesen Kurt-Weill-Kosmos eintauchen.

Wie haben Sie sich Ihrer neuen Aufgabe als Intendant genähert?

Jan Henric Bogen: Was ich für mich festgestellt habe, ist, dass die eigentliche Herausforderung eines Festivals darin besteht, dass man sich einerseits immer wieder neu erfinden muss, damit es nicht immer das Gleiche macht, auf der anderen Seite aber immer einen gewissen Kern beibehalten muss. Wenn ich mir das jetzt vorliegende Festivalprogramm anschaue, dann glaube ich, dass das ganz gut gelungen ist. Wir bringen Orte und teilweise auch Künstler wieder, die schon bekannt und beliebt sind, es gibt aber auch eine bewusste Veränderung, mit einigen neuen Künstlern, die Dessau sozusagen „erobern“ dürfen. Allen voran so jemand wie Rolando Villazón. Das ist die Balance, in der man sich bewegt. Das ist sehr spannend und bis jetzt bin ich da ganz guter Dinge.

Wie tritt man denn an Künstler wie Rolando Villazón heran und wie reagieren diese auf die Anfrage?

Jan Henric Bogen: Grundsätzlich hat bei allen, die ich angesprochen habe, der Name Kurt Weill Fest viele Türen geöffnet. Auf praktischer Ebene haben alle Künstler natürlich Agenten, auch wenn ich Rolando Villazón zufällig auch persönlich kenne. Er wird in Dessau einiges aus dem Bereich Musical präsentieren, aber zum Beispiel auch die „Four Walt Whitman Songs“ aus der amerikanischen Phase Weills singen, die eher in den Bereich der sogenannten „ernsten Musik“ fallen. Auch wenn ich die Unterscheidung in E- und U-Musik, wie schon Weill, sehr unnötig finde. Er möchte in seinem Programm das gesamte Schaffen Kurt Weills erlebbar machen.

Im Jahr 30 nach der Wiedervereinigung steht das Kurt Weill Fest unter dem Motto „Was sind Grenzen?“. Welche Grenzgänge sind zum Kurt Weill Fest 2020 geplant?

Jan Henric Bogen: Dazu gibt es ein sehr schönes Zitat des Komponisten John Cage: „Das ist eine sehr interessante Frage. Ich möchte sie nicht mit einer Antwort verderben.“ (lacht) Das ist natürlich scherzhaft gemeint, aber es ist mir tatsächlich sehr wichtig, dass dieses Festivalmotto mit einem Fragezeichen endet. Es heißt eben nicht „Grenzenlos“ oder „Über alle Grenzen“, sondern wir stellen eine Frage.

Grenzen sind etwas sehr ambivalentes. Wir können sie weder als grundsätzlich schlecht noch als immer gut bezeichnen. Wir kennen und haben alle Grenzen, wir müssen diese Grenzen mal einhalten und mal überschreiten. Es gibt sie in den verschiedensten Kontexten, im Privaten, Beruflichen, Familiären. Es gibt soziale, politische, religiöse Grenzen und natürlich auch geographische. Ebenso im künstlerischen Bereich, nicht nur mit U und E, sondern auch zwischen den Genres. Was ist Musical, was Operette oder Oper, um mal zum Schaffen Kurt Weills zu sprechen. Deswegen finde ich das Thema spannend.

Ich möchte mit dieser Frage dem Publikum in einer Zeit, in der man vielleicht nicht so häufig die Möglichkeit hat, intensiv nachzudenken, Gelegenheit geben, sich den Begriff anzusehen und zu überlegen, was er mit ihnen macht. Was bedeutet er für mich? Wann bin ich mit ihm in Berührung gekommen? Wenn Sie mich fragen würden, könnten wir alle 52 Veranstaltungen durchgehen und ich würde Ihnen einen Grenzaspekt dazu aufzeigen können. Das ist auch immer das Schöne an einem guten Motto.

Um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen: Die Grenze zwischen Musik und Comedy verwischt das Duo „Ass-Dur“. Das sind zwei klassisch ausgebildete Musiker, die eine Comedy-Show machen. Ernstere und vielschichtige Grenzaspekte hat zum Beispiel das Projekt „Unknown, I Live With You“. Das ist eine Opern-Installation der Gruppe „The Airport Society“, die auf Texten anonymer afghanischer Frauen basiert. Begleitet wird sie von heutiger klassischer Musik, mit einem Streichquartett, menschlicher Stimme und Live-Electronica. Das ist ein einmaliges Klangerlebnis, wirkt mal sehr schmissig und fast schon auf dem Weg zum Musical, mal ist es total dissonant.

Und ein dritter Grenzaspekt, den ich aufgreifen möchte, ist die Veranstaltung „Das ferne Lied“ vom Performance-Kollektiv „dorisdean“ aus dem Ruhrgebiet, das sich selbst als „mixed-abled“ bezeichnet. Das heißt, einige der Beteiligten haben körperliche Behinderungen, andere nicht. Sie beschäftigen sich mit den Grenzen der menschlichen Stimme. Wie klingt eine gesunde Stimme, wie zum Beispiel die eines Menschen mit Muskelatrophie? Und sie beschäftigen sich mit den Grenzen des Konzertformats selbst. Was ist das für eine soziale Situation, in der es ein Podium gibt, auf dem Künstler stehen, die von einem Publikum beklatscht werden? Kann man das irgendwie aufbrechen? Damit wollen sie ganz bewusst spielen.

Das sind also drei „Grenzveranstaltungen“, die ich beispielhaft herausgreifen möchte, die jeweils von einem ganz anderen Aspekt und auch in mehrfacher Hinsicht an Grenzen gehen.

Es geht also nicht darum, die selbst gestellte Frage auch selbst zu beantworten, sondern diese Antwort soll jeder Besucher für sich finden?

Jan Henric Bogen: Absolut, ja. Das Zitat von John Cage war also weniger auf Ihre und mehr auf meine eigene Frage bezogen, die ich dem Publikum und auch den Künstlern stelle. Ihnen habe ich ja eine Antwort gegeben. (lacht)

Im Programm finden sich viele sehr prominente Namen. Als Artist-in-Residence wird mit dem Sänger und Schauspieler Vladimir Korneev jedoch ein Künstler in den Fokus gerückt, der der breiten Masse noch nicht so bekannt sein dürfte. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Jan Henric Bogen: Ich habe mich bei dieser Residency gefragt, was man mit ihr erreichen kann und was ihr Potenzial ist. Man lenkt natürlich die Aufmerksamkeit auf jemanden, aber Derjenige muss eben auch die Aufmerksamkeit auf das Festival ziehen. Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich spannend wäre, wenn wir hier die Kurt-Weill-Interpreten von Heute und vor allem auch von Morgen präsentieren könnten. Wenn wir sozusagen eine neue Generation an Künstlern „heranziehen“ können und diesen Künstlern die Gelegenheit geben, sich mit dem Thema Kurt Weill genauer auseinanderzusetzen.

Und da muss ich sagen, dass Vladimir ein totaler Glückstreffer gewesen ist. Es war fast wie eine „Erweckung“. Als ich das Kurt Weill Fest erwähnt habe, hatte er sofort ein Lächeln auf dem Gesicht. Es war augenblicklich klar, dass das ein Thema ist, das ihn reizt und das auch schon ewig in seiner Schublade lag. Er hat auch einfach die künstlerischen Mittel und Möglichkeiten, die Musik von Kurt Weill ganz wunderbar und heutig und auf seine Art und Weise zu interpretieren. Er hat eine unglaubliche Stimme, er hat Textverständnis in mehreren Sprachen – deutsch, englisch, französisch, russisch - wo man wirklich jede Nuance so eines Textes ausdeuten kann, was für die Arbeit von Kurt Weill ganz wichtig ist.

Er ist auch ein totaler Publikumsliebling. Das hat er zumindest schon bewiesen, als er hier beim Sommerfest der Kurt-Weill-Gesellschaft war. Ich glaube, so präsent vor einem Kurt Weill Fest war noch kein Dessauer Artist-in-Residence. Er brennt richtiggehend dafür.

Und dann gab es auch noch einen weiteren entscheidenden Grund. Als wir unser erstes Gespräch miteinander geführt haben, hatte ich hinterher eine Gänsehaut. Denn auch zum Thema Grenzen konnte er viel erzählen. Er ist als siebenjähriges Flüchtlingskind aus Georgien, wo damals Bürgerkrieg herrschte, nach Deutschland gekommen. Sein Vater war russischer Offizier, seine Mutter Georgierin, was in seinem Geburtsland natürlich für Schwierigkeiten sorgte. Vladimir hat also auch sehr persönliche Erfahrungen damit gesammelt, was es heißt, in ein Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht, in dem man sich alles hart erarbeiten muss. Dass er auch zu diesem Punkt etwas zu sagen hat, war mir sehr wichtig.

Es sprechen also sehr viele Gründe für ihn als Artist-in-Residence. Was wird eventuell ansonsten anders als bisher beim Kurt Weill Fest?

Jan Henric Bogen: Mit Sicherheit wird es einige Veränderungen geben. Obwohl am Ende natürlich das Publikum beurteilen wird, ob es das Festival anders wahrgenommen hat. Mir geht es darum, Sachen zu bewahren, aber auch Neues auszuprobieren. Dazu gehört, dass wir neue Spielorte erschließen. Wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal im Bauhaus Museum, das ist ja auch naheliegend. Was vielleicht überraschen kann, ist das Stern-Autohaus in Magdeburg, das uns seine Glas-Stahl-Halle zur Verfügung stellt und wo ich es sehr faszinierend finde, diese Industriearchitektur mit einer Musikveranstaltung zu füllen.

Wir haben probiert, mit einigen Veranstaltungen auch ganz gezielt junges Publikum anzusprechen. Dazu zähle ich zum Beispiel Julia Engelmann, die im Steintor-Varieté Halle auftritt. Bekannt geworden ist sie durch einen Poetry-Slam-Auftritt 2013, der auf „Youtube“ millionenfach gesehen wurde. Heute ist sie ein Wunderwerk an Poesie, aber auch an Musik. Das ist sozusagen der „erweiterte Weill-Kreis“, denn Julia Engelmann wird keinen Kurt Weill spielen. Aber sie spricht eine studentische und jugendliche Zielgruppe an, die wir explizit erreichen wollen. Es wäre schön, wenn das zu dem Effekt führt, dass die Besucher den Auftritt im Rahmen des Kurt Weill Festes als Anlass nehmen, neugierig darauf zu werden, was es bei diesem Festival sonst noch so gibt.

Und dann haben wir auch noch eine ganz praktische Verbesserung eingeführt. Wir sind hier in Dessau ganz gezielt auf verschiedene Gastronomieunternehmen zugegangen. Unser Ziel ist es ja, dass die Leute vor oder nach den Veranstaltungen noch nachdenken und diskutieren und dass es dafür auch Räume gibt. Wir wollen also gesteuert gastronomische Orte anbieten, damit man noch zusammensitzen und sich die Köpfe heißreden oder vielleicht auch nur schwelgen kann im gerade Erlebten.

Eines hat sich auf jeden Fall auch in diesem Jahr nicht geändert: Eine Vielzahl der Veranstaltungen ist bereits jetzt ausverkauft. Wie zufrieden sind Sie bisher mit der Resonanz?

Jan Henric Bogen: Sehr zufrieden natürlich. Aber es ist immer empfehlenswert, auch bei offiziell ausverkauften Veranstaltungen, bei unserem Kartenservice anzurufen. Natürlich können sie keine Karten herbeizaubern, wenn es keine mehr gibt. Aber ab und zu ergeben sich eben dann doch noch Möglichkeiten. Oder sie können Alternativen vorschlagen, an die man selbst vielleicht nicht denken würde. Es ist ein ganz besonderes Pfund, dass wir so eine sehr persönliche Betreuung mit unserem Kartenservice haben. Kurzfristig anzufragen, ob es nicht vielleicht doch noch Restkarten gibt oder etwas zurückgekommen ist, lohnt sich also immer.

Gibt es noch einen „Geheimtipp“, für den es noch Karten gibt, den man aber keinesfalls verpassen sollte?

Jan Henric Bogen: Eine Veranstaltung, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, heißt „Neues Land, neue Sprache“. Dahinter steckt das Konzept, dass viele Komponisten – wie Weill – mit ihrer Emigration vor der Herausforderung standen, plötzlich Texte in einer anderen Sprache zu vertonen. Dazu haben wir ein Programm zusammengestellt, mit drei wunderbaren Künstlern, dem kanadischen Pianisten Philip Headlam sowie Leah Gordon und Justin Hopkins, letzterer Preisträger der Lotte Lenya Competition. Sie spielen Werke Weills, die man nicht so häufig hört.

Worauf ich mich sehr freue, ist das Programm „Farges mikh nit – Vergiss mich nicht“ von Barrie Kosky, dem Intendanten der Komischen Oper Berlin, der auch ein hervorragender Pianist ist. Und nebenbei ein wunderbarer Entertainer, wenn er auf der Bühne steht. Er hat einen Abend mit zwei herausragenden Sängerinnen, Alma Sadé und Helene Schneiderman, entwickelt, in dem es um die Jiddische Operette des frühen 20. Jahrhunderts geht. Diese Stücke in jiddischer Sprache, die Weill wahrscheinlich in seiner New Yorker Zeit auch noch kennengelernt und erlebt hat, werden dort wiedererweckt. Das wird ein großartiger Abend, für den es auch noch Karten gibt.

Was wünschen Sie sich für das diesjährige Kurt Weill Fest und für die zukünftigen?

Jan Henric Bogen: Natürlich wünsche ich mir einen möglichst reibungslosen Ablauf. Dass alle da sind, dass die Veranstaltungen so lange dauern, wie sie getimed sind und nicht länger dauern, damit man diesen „Festival-Flow“ hat und entspannt von einer Veranstaltung zur anderen kommt, dass alle gesund bleiben und dass das Publikum begeistert ist. Ich fände es schön, wenn die Festivalfrage noch nachhallt und man sich aus einer Veranstaltung, neben der Tatsache, dass sie schön war, noch etwas mehr mitnimmt. Dass sie berührt hat, man im Zweifel vielleicht auch etwas über sich selbst lernt. Und es ist mir natürlich sehr wichtig, dass das Publikum uns gewogen bleibt und vor allem, dass es uns vertraut. Denn es ist selbstverständlich immer eine Vertrauenssache, sich auf das einzulassen, was wir in das Programm schreiben.

Auch wenn das Kurt Weill Fest 2020 noch nicht einmal eröffnet ist – lässt sich vielleicht schon andeuten, wie es 2021 weitergehen wird?

Jan Henric Bogen: Ich kann schon einmal sagen, dass ich weiterhin Fragen stellen will. Es war mit Sicherheit nicht das letzte Fragezeichen, das ich hinter ein Festivalmotto gesetzt habe. (lacht) Wir sind bereits in Endverhandlungen mit ganz vielen Künstlern, auch mit einem sehr spannenden und vielseitigen Artist-in-Residence. Es gibt auch schon einige bestätigte Veranstaltungen für 2021, auf die ich mich sehr freue.

Also ja, es geht schon fleißig weiter, die Vorlaufzeit für so ein Festival ist doch relativ lang. Manchmal muss man sogar schon den Blick auf 2022 richten, wenn man mit bestimmten Künstlern spricht. Es wird einige spannende Dinge geben, die ich jetzt noch verhüllt halte. Aber ich denke, man kann sich auf die Zukunft freuen.

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