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Eine von 15 Bildbänken der
Eine von 15 Bildbänken der "Unsichtbaren Orte"© LEO

Das Bauhaus neu sehen und fühlen

Veröffentlicht am Mittwoch, 01. Mai 2019

Der 100. Bauhaus-Geburtstag füllt in diesem Jahr die Veranstaltungskalender zahlreicher Kommunen in ganz Deutschland. Das trifft natürlich insbesondere auf die drei Bauhaus-Städte Weimar, Dessau und Berlin zu. Nachdem in Dessau im März bereits das Festival „Schule Fundamental“ begangen wurde und seit April die neu kuratierten Bauhausbauten erkundet werden können, wird das Jubiläum in diesen Tagen auch im Stadtgebiet erleb- und sichtbar gemacht. Die Freiraumausstellung „Unsichtbare Orte“ entdeckt die Verbindung zwischen Stadt, Bevölkerung und Schule neu, die „Passagen“ laden zur künstlerisch-spielerischen Entdeckung des Bauhauses ein. Im historischen Arbeitsamt und dem neuen Bauhaus Museum Dessau steht dagegen alles im Zeichen der Architektur.

Dessau und das Bauhaus gehören untrennbar zusammen. Und das nicht nur, weil die Hochschule für Gestaltung hier von 1925 bis 1932 ihre kreativste und fruchtbarste Zeit erlebte. Das Bauhauserbe, das in diesem Jahr weltweit gefeiert wird, würde es ohne das Zusammenspiel zwischen Stadt und Schule in dieser Form nicht geben. Die Ausstellung „Unsichtbare Orte – Das Bauhaus in Dessau“ will diese Aussage vom 26. April bis 3. November in der Dessauer Innenstadt ebenso informativ wie unterhaltsam mit Tatsachen hinterlegen. Denn lange vor Eröffnung des Bauhausgebäudes und dem Einzug in die Meisterhäuser lebten und arbeiteten die Bauhausmeister und -schüler mitten in, mit der und für die Stadt. Mehr als anderthalb Jahre waren im heutigen Naturkundemuseum die Ateliers der Meister untergebracht, während auf der anderen Straßenseite in der Fabrik des Versandhandels Seiler die Werkstätten des Bauhauses beheimatet waren. In der Mauerstraße befand sich das Büro von Walter Gropius – und damit die erste offizielle Adresse des Bauhauses in Dessau. Die Bauhäusler waren Teil des Stadtlebens, durch das sie beeinflusst wurden und auf das sie auch selbst Einfluss nahmen.

Basierend auf dem 2013 bei der Stiftung Bauhaus erschienenen Buch „Die unsichtbare Bauhausstadt“ von Dr. Andreas Butter widmet sich „Unsichtbare Orte“ stellvertretend 13 dieser geschichtsträchtigen Bauhausorte, deren Spuren heute verloren oder in Vergessenheit geraten sind. Jeder dieser Orte ist mit einer Bildbank gekennzeichnet, die nicht nur zum Verweilen einlädt. Von der Ankunft in Dessau bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten werden Schwerpunkte der Bauhausgeschichte vor Ort durch historische Fotos und informative Texte beleuchtet. Komplettiert wird die „Zeitreise“ an jeder Station durch ein aufwändig produziertes Hörstück, das die Akteure von damals in Spielszenen zu Wort kommen lässt und das über eine Telefonnummer, einen QR-Code sowie eine Internetadresse abrufbar ist. Zwei weitere Bildbänke, die Dessau im Jahr 1925 sowie das weltweite Bauhauserbe nach 1933 thematisieren, finden sich auf dem Dessauer Marktplatz. Dort steht mit dem sogenannten „Kulturkiosk“ auch der zentrale Ort der Freiraumausstellung. Inspiriert von Entwürfen des für die Dessauer Zeit stilprägenden Bauhaus-Jungmeisters Herbert Bayer ist das Bauwerk Veranstaltungs- und Informationsort, Startpunkt für Führungen und vieles mehr. In einem kleinen Vorführraum ist zudem ein Animationsfilm zu sehen, der in die Anfänge des Bauhauses einführt und Lust auf einen Rundgang machen soll. Vertiefende Ausstellungsinhalte im Naturkundemuseum und im „Lily“ im Alten Theater sowie Schaufenstergestaltungen an der „Sonnen-Apotheke“ in der Askanischen Straße und der Touristinfo in der Scheibe Nord komplettieren die Ausstellung.

Wassily Kandinskys Bewegungsstudie „Punkt und Linie zu Fläche“ war Inspiration für das Projekt „Passagen Bauhaus 100“, das ab 4. Mai das Bauhausgebäude mit dem Bauhaus-Museum im Dessauer Zentrum verbindet. Übertragen in den dreidimensionalen Raum laden künstlerische Installationen dazu ein, das Fortbewegen und den Stadtraum neu zu entdecken. Besucher rollen riesige Kugeln über den Seminarplatz, sammeln in der Bahnhofsunterführung ungewohnte Sinneseindrücke, gehen auf dem Bahnhofsvorplatz über Berg und Tal und springen auf dem Trampolin bis zum Stadtpark. „Passagen Bauhaus 100“ soll dazu animieren, aktiv zu werden und verspricht ein Erlebnis für alle Sinne.

Beim Festival „Architektur Radikal“, das vom 31. Mai bis 2. Juni im historischen Arbeitsamt und dem Bauhaus-Museum stattfindet, setzen sich zehn internationale Architekten und 100 Studenten aller gestalterischen Disziplinen mit der Frage auseinander, inwieweit architektonische Radikalität heute noch zeitgemäß ist. Denn die Dessauer Bauhausbauten waren vor über 90 Jahren schließlich Prototypen radikaler Zukunftsentwürfe. Aber wie muss Architektur heute aussehen, um eine weltweite Wirkung entfachen zu können? Neben Workshops und Konferenzen sind an den Festivalorten auch temporäre Architektur-Installationen geplant. Weitere Höhepunkte sind öffentliche „Radikal-Touren“ durch die Bauhausbauten und die Innenstadt sowie die „Lange Nacht des Architekturfilms“ am 1. Juni.

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