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August 2019
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LEO Tagestipp
Atmosphäre pur: Die Wörlitzer Filmtage
Atmosphäre pur: Die Wörlitzer Filmtage© Hartmut Bösener

Starke Frauen, starke Filme

Veröffentlicht am Montag, 29. Juli 2019

Am 16. und 17. August ist es endlich so weit: Der Vesuv auf der Insel Stein im Wörlitzer Park bricht mit einjähriger, trockenheitsbedingter Verspätung aus und sorgt für ein beeindruckendes Spiel aus Licht, Feuer und tiefem Donnergrollen. Genau eine Woche später, ab dem 24. August, wird auf der Insel Stein dann auch schon das nächste Feuerwerk gezündet. Denn Stammgäste der Wörlitzer Filmtage wissen längst, dass „Zeremonienmeister“ Uwe Quilitzsch seine allabendliche Begrüßung vor dem Filmstart mit einem kleinen Schaueffekt beendet. Und auch das Programm der vierten Ausgabe des Historienfilm-Festivals verspricht, salopp gesagt, erneut ein echter Knaller zu werden.

Wenn eine Veranstaltung in ihre vierte Auflage startet, kann man wohl zu Recht von einer Tradition sprechen. Seit 2016 erstmals zu den Wörlitzer Filmtagen eingeladen wurde, hat sich die Reihe eine treue Fangemeinde erspielt, zu der sich Jahr für Jahr weitere interessierte Kinofreunde gesellen. Es gibt deutschlandweit kein zweites Festival, dass exklusiv Historien- und Kostümfilmen gewidmet ist. Und das mit dem antikisierenden Theater auf der Insel Stein inmitten des Gartenreiches noch dazu eine Spielstätte gefunden hat, die seit der Premiere untrennbarer Bestandteil des Gesamterlebnisses geworden ist.

„Wir haben in der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz einen Kooperationspartner gefunden, wie man ihn sich besser, konstruktiver und unterstützender nicht wünschen könnte. Und wir haben ein Publikum, dessen Begeisterung und Aufgeschlossenheit uns jedes Jahr aufs Neue überwältigt“, betont Thomas Ohrmann vom Kiez-Kino Dessau. „Natürlich haben wir mit den vergangenen drei Festivals auch eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt, was das Filmprogramm betrifft. Aber wir sind zuversichtlich, dass sich unsere Auswahl auch diesmal wirklich sehen lassen kann.“ Nach dem thematischen Ausflug in die Südsee im vergangenen Jahr sind die Vierten Wörlitzer Filmtage diesmal offiziell nicht mit einem übergeordneten Schwerpunkt versehen. Und dennoch gibt es eine Verbindung zwischen allen Filmen, die über die historischen Stoffe hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen starke Frauen und Künstler, die ihrer Zeit weit voraus sind oder sie sogar prägen. Die sich auch durch gesellschaftliche Zwänge, mächtige Gegenspieler oder kreative Krisen nicht von ihrem Weg abbringen lassen. Starke Charaktere in ebenso starken Filmen, preisgekrönt, spannend, unterhaltsam und optisch beeindruckend.

Am Premierenabend heißt es nicht nur „Vorhang auf für die Vierten Wörlitzer Filmtage“, sondern auch „Vorhang auf für Cyrano“. Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts wartet der junge Bühnenautor Edmond Rostand auf seinen großen Durchbruch. Bisher jedoch ohne Erfolg, jedes seiner Stücke war ein Flop. Die Familienkasse ist leer, das Theater von der Schließung bedroht, die Inspiration am Boden. Das Blatt scheint sich zu wenden, als ihm eine berühmte Freundin den größten Komödianten seiner Zeit vorstellt. Zu Edmonds Überraschung besteht er darauf, in seinem neuen Stück eine Rolle zu spielen. Es gibt nur ein Problem: In drei Wochen soll Premiere gefeiert werden – und Edmond hat noch kein Wort geschrieben. Die ideale Voraussetzung für eine charmant-turbulente Komödie also, die auch eine Liebeserklärung an das Theater ist.

„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ nimmt die Besucher am 25. August mit in das England des frühen 18. Jahrhunderts, das sich gerade im Krieg mit Frankreich befindet. Die gebrechliche Königin Anne lässt ihre enge Freundin Lady Sarah die Regierungsgeschäfte führen, macht sie gleichzeitig aber auch zum Spielball ihres aufbrausenden Temperaments. Als die junge Dienerin Abigail neu an den Hof kommt, verfällt Sarah sofort ihrem Charme. Doch Abigail nutzt die Gelegenheit, nach und nach selbst zur engsten Vertrauten der Königin zu werden. Denn von ihren ehrgeizigen Zielen lässt sich sie von keiner Frau, keinem Mann und keinem Krieg abhalten. Und auch von keinem Hasen. Ausgezeichnet mit unzähligen Preisen und unter anderem für zehn Oscars nominiert, ist „The Favorite“ ganz sicher kein gewöhnlicher Historienfilm – und wird seinem Zusatztitel mehr als gerecht.

Am 26. August ist Hollywoodstar Scarlett Johansson in einer ihrer ersten Hauptrollen zu erleben. Als „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist sie Mitte des 17. Jahrhunderts Inspiration für eines der größten Meisterwerke der Malerei. Als die junge Griet als Hausmädchen ihren Dienst beim holländischen Maler Johannes Vermeer antritt, ist sie sofort von seinen Werken fasziniert. Dem Künstler bleibt das nicht verborgen und obwohl die beiden Welten, Bildung und sozialer Stand trennen, fühlen sich Magd und Meister zueinander hingezogen. Während Vermeers Ehefrau das besondere Verhältnis argwöhnisch beobachtet, nutzen es seine Schwiegermutter und sein Mäzen schamlos aus. Als Vermeer heimlich ein Porträt von Griet fertigt, hat das für beide schwerwiegende Folgen.

Mit „Ein königlicher Tausch“ erwartet das Publikum am 27. August dann ein mitreißendes und prachtvoll ausgestattetes Historiendrama. Im Frankreich des Jahres 1721 fädelt Regent Philipp von Orléans einen Prinzessinnentausch ein, um den Frieden mit Spanien zu besiegeln. Er will den elfjährigen französischen König Ludwig XV. mit der erst vier Jahre alten Tochter des spanischen Königs verheiraten. Im Gegenzug soll seine eigene zwölfjährige Tochter zur Gemahlin des spanischen Thronfolgers Don Luis werden. Schon bald darauf findet der Austausch an der Ländergrenze statt. Der Plan scheint aufzugehen. Doch die königlichen Strategen haben die Rechnung ohne die Frischvermählten gemacht. Und die haben ihren ganz eigenen Willen.

Eine der berühmtesten Literatinnen der Welt steht am 28. August im Mittelpunkt. „Mary Shelly“ zeigt sie als 16-Jährige, die sich rebellisch gegen die Zwänge und Konventionen ihrer Zeit stellt. Als sie den berühmten romantischen Dichter Percy Shelley kennenlernt, der sein Leben wie sie selbst der Literatur verschrieben hat, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch die leidenschaftliche Liebe des jungen Paares wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Als sie 1816 den Sommer gemeinsam mit dem Poeten Lord Byron am Genfersee verbringen, fordert dieser Mary zu einem literarischen Wettbewerb heraus. Jeder von ihnen solle eine Schauergeschichte erfinden – und „Frankenstein“ wird geboren.

Eine, vom Publikum sehr gut angenommene, Konstante der Wörlitzer Filmtage ist seit der Erstausgabe die romantische Schriftstellerin Jane Austen. Auch 2019 darf sie natürlich nicht fehlen. Allerdings stehen am 29. August keine von ihr geschaffenen Charaktere im Fokus, sondern die Autorin selbst. „Geliebte Jane“ erzählt, wie aus der jungen Pfarrerstochter die berühmte Autorin wurde. Dass die Geschichte um das talentierte Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen, um wahre Liebe, Verkupplungsversuche und Widerstände gegen gesellschaftliche Zwänge, garniert mit viel Gefühl und Humor, an ihre späteren Werke erinnert, dürfte dabei wohl kein Zufall sein.

Und auch der Abschluss der Vierten Wörlitzer Filmtage am 30. August ist einer starken Frau gewidmet, die als Autorin in ihrer Zeit für reichlich Aufsehen sorgte. Im Paris der Jahrhundertwende lernt Sidonie-Gabrielle Colette einen Gelehrten kennen und lieben, der unter dem Pseudonym Willy Bestsellerromane schreibt. Schon bald erfährt sie jedoch, dass er eine ganze Riege von Autoren beschäftigt, die in seinem Namen Geschichten verfassen. Auch Colette wird schließlich von ihm verpflichtet. Ihr halbbiografischer Roman über ein 15-jähriges Mädchen vom Lande wird zu einem kulturellen Phänomen. Willy weigert sich, „Colette“ als wahre Verfasserin anzuerkennen. Doch diese gibt nicht kampflos auf.

Die Vierten Wörlitzer Filmtage sind eine Kooperation der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und des Kiez-Kino Dessau. Die Veranstaltungen beginnen täglich um 20 Uhr, der Einlass öffnet um 18.30 Uhr, Filmbeginn ist nach Einbruch der Dämmerung mit Beginn der Blauen Stunde. Für das leibliche Wohl sorgt wie immer das Ringhotel „Zum Stein“. Tickets gibt es im Vorverkauf im Ringhotel „Zum Stein“ sowie bei der Touristinformation in Wörlitz und im Pressezentrum Dessau in der Zerbster Straße. Reservierungen sind ausschließlich online über die Internetseite des Festivals möglich.

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