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Vielfalt zum Bauhausfest 2017
Vielfalt zum Bauhausfest 2017© Veranstalter

Buntes Bauhausfest der Illusionen

Veröffentlicht am Mittwoch, 30. August 2017

Spätestens die aktuelle Jahresausstellung der Stiftung Bauhaus Dessau zeigt deutlich, dass das historische Bauhaus sehr viel mehr war als strenge Formen und Schwarz-Weiß-Optik. Die Freude am Experiment, das Ausprobieren und Entwickeln neuer Verfahren oder Materialien und das Sprengen von Konventionen gehörten zum Alltag der Schule. Die Feste des Bauhauses dienten als Schaukasten dieses kreativen Schaffens und hatten schnell einen legendären Ruf. Am 1. und 2. September wird an diese Tradition zum inzwischen 20. Mal angeknüpft.

„Bunt! Material Illusion.“ ist das Motto des diesjährigen Bauhausfestes, das traditionell an das aktuelle Jahresmotto der Stiftung Bauhaus „Substanz“ angelehnt ist. Wie vor rund 90 Jahren gehören das Bauhaus und sein Umfeld ganz den Künstlern und Studierenden verschiedener Kunsthochschulen. „Die Idee, Spiele und Aktivitäten in eine Arena rund um das Bauhaus zu bündeln, hat sich im letzten Jahr bewährt und findet seine Fortsetzung“, erläutert Burghard Duhm, der künstlerische Leiter des Festes. Das Berliner Künstlerkollektiv „Kollegen 2,3“ baut in der Arena ein Rieseninstrument auf, das als Anziehungspunkt für die Besucher wirken und sie dazu anregen soll, selbst aktiv zu werden.

Viele der künstlerischen Arbeiten werden schon vor dem eigentlichen Fest am Samstag beim sogenannten Preview-Abend am Freitag erlebbar sein. Aufgrund der Fülle der Angebote empfiehlt Burghard Duhm daher allen Gästen, möglichst beide Abende für einen Besuch einzuplanen, um die ganze Vielfalt zu erleben. Allein der Rundgang durch das Bauhausgebäude dürfte zum abendfüllenden Programm werden. Wie schon in den vergangenen Jahren wird das gesamte Haus mit Aktionen und Performances bespielt. Größte Neuerung des diesjährigen Bauhausfestes ist dabei die intensive Zusammenarbeit mit der TU Berlin, dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin und der Initiative Neuer Zirkus e.V.: Sechs Monate lang haben die Partner in gemeinsamer Entwurfsarbeit, begleitet von der Stiftung Bauhaus, die Performance-Reihe „Substantia – das Licht greifen“ für das gesamte 2. Obergeschoss des Bauhauses entwickelt. Erleben lassen sich diese und viele weitere künstlerischen Aktionen zum ersten Mal im Rahmen des Festes auch in mehreren Führungen durch das UNESCO-Welterbe.

Noch vor der Ankunft am Bauhaus steht jedoch, zumindest am Hauptveranstaltungstag, eine fast schon historische Tradition: der Festumzug vom Anhaltischen Theater zum Ort des Geschehens. Bunt und zahlreich sollen die Besucher erscheinen, um zum Rhythmus des „Junior Jazz Orchestra“ den beschwingten Gang zum Bauhaus anzutreten. Dort angekommen, dürfte erst einmal das Haus selbst für Eindruck sorgen. Nach der etwas zurückhaltenden Illumination im letzten Jahr soll Licht diesmal zu einem eigenen Akteur werden. „Reines Licht“ heißt die Installation des Lichtdesigners Martin Beeretz. „Das Projekt spielt mit der Transparenz des Gebäudes. Lichtkegel durchkreuzen das Bauhaus, sorgen für überraschende Effekte und lassen Innen und Außen verschmelzen. Wände wirken transparent, Licht wird zu Substanz“, schwärmt Burghard Duhm.

Einblicke in neue Materialwelten und verborgene Fähigkeiten alltäglicher Stoffe zeigt die Kunsthochschule Berlin-Weißensee, deren Studenten sich ein ganzes Semester lang mit dem Thema „Substanz“ auseinandergesetzt haben. Spargelschalen werden zu hochwertigem Gewebe, Milch zu Kunststoff und Emotionen bilden sich auf Materialien ab.

Artistik, Theater, Installation und Performance werden das Bauhaus auch bei der Jubiläumsausgabe des beliebten Festes in ein Erlebnis verwandeln, zu dem untrennbar auch der Klang gehört. Musikalische Experimente begeisterten die Bauhäusler ebenso wie ihre Materialversuche in den Werkstätten. Entsprechend vielgestaltig zeigt sich daher auch das Musikprogramm des Bauhausfestes, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis der Dessau-Roßlauer Musikschule, dem „Gerold Heitbaum Quintett“, „Jazzfeel“ und dem „Junior Jazz Orchestra“ entwickelt wurde. Neben diesen Akteuren sind auch die Berliner Bands „His Golden Whip“, Troiika“ und die „Puppe’n Mucke“ mehr als erlebenswert. In schrillen Kostümen, die an japanische Comicfiguren erinnern, spielen letztere trashigen Electro-Rock auf allem, was die selbstgebaute Bühne hergibt.

Rund 40 Programmpunkte sind Teil des 20. Bauhausfestes „Bunt! Material Illusion.“ Architektur wird hörbar, Material vertanzt, Schrott zu Musik und der Mensch zum Material – und somit selbst zum Bestandteil eines experimentellen Gesamtkunstwerkes, das an die Geschichte des Bauhauses anknüpft, sie in die Gegenwart holt und mit Kreativität und Fantasie auch zum Blick in die Zukunft einlädt.

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