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Gasthof "Grüner Baum"© Gasthof "Grüner Baum"

Stillstand statt Saisonstart – Regionale Kultur und Corona – Home of Rock

Veröffentlicht am Sonntag, 19. April 2020

Die Konzertreihe "Home of Rock" verwandelt seit rund drei Jahren das Gasthaus "Grüner Baum" in Dessau-Kochstedt und andere Spielorte in Anziehungpunkte für Fans handgemachter Musik von Rock bis Blues. Organisiert wird sie von einem kleinen Team, das seine Leidenschaft mit Anderen teilen will - und jetzt erst einmal zum Stillstand gezwungen ist.
(Anmerkung: Das Gespräch fand in der Woche vom 16. bis 22. März statt. Eventuelle spätere Entwicklungen spiegeln sich hier daher nicht wider.)

1. Welche Folgen hat die aktuelle Corona-Situation für Sie als Veranstalter bisher?
Wir versuchen positiv zu denken - wissen aber alle nicht, wie lange uns das noch beschäftigen wird. Unsere Shows finden zu 90% mit internationalen Künstlern aus allen Teilen der Welt statt, die alle mit eigenen Vorgaben und Reisebeschränkungen kämpfen. Daher versteht jeder die Lage des Anderen. Uns als Veranstalter treffen die Absagen der Konzerte sehr. Gerade beginnt die Zahl unserer Gäste kontinuierlich zu wachsen und „Home of Rock“ wird mehr und mehr bekannt. Aber auch ganz persönlich. Wir lieben was wir da machen und unsere Gäste sind immer wieder begeistert. Jedes der Konzerte ist wie ein Familientreffen. Wir wünschen uns sehr, dass wir bald wieder loslegen können.

2. Was passiert mit Tickets für Veranstaltungen, die bereits gekauft wurden?
Wir sind in regelmäßigem Kontakt mit den Künstlern und wollen alle, dass die Konzerte nachgeholt werden - einige ganz sicher noch in diesem Jahr. Gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit für die Nachholkonzerte. Online gekaufte Tickets wurden bereits rückerstattet und die Rock-Block-Tickets sind ja ohnehin zeitlich unabhängig einlösbar.

3. Sie sind nicht nur Gastgeber, sondern auch Arbeitgeber. Wie wirkt sich die aktuelle Situation in dieser Beziehung aus?
Schlimm ist die Situation für die, die durch uns Geld verdienen müssen. Bisher mussten sechs Konzerte gecancelt werden. Das wirkt sich natürlich auch finanziell aus - für Veranstaltungstechniker und Gastronomen laufen alle Kosten weiter und die Einnahmen fallen schlagartig weg. Das sind liebe Menschen, die einen großartigen Job machen und viel Herzblut in die Konzerte fließen lassen.

4. Was tun Sie bzw. was haben Sie vor, um auch in Zeiten des brachliegenden öffentlichen Lebens stattzufinden und den Kontakt zu Ihren Gästen aufrecht zu erhalten?
Wir tauschen uns viel mit unseren Gästen aus - schreiben viele Nachrichten und telefonieren auch. Einige rufen an, fragen, wie es weiter geht und lassen uns wissen, dass sie sich auf das nächste Konzert freuen. Es gibt aber auch einen monatlichen Newsletter. Hier stehen alle Informationen zur derzeitigen Situation, den verschobenen Konzerten und sonstigen Planungen drinnen. Auf unserer Internetseite www.homeofrock.live können sich Interessierte in die Liste einschreiben. Darüber hinaus gibt es natürlich Kanäle wie Facebook und Instagram. Wir kommunizieren viel und gerne mit unseren Gästen.

5. Bisher kann niemand abschätzen, wie sich die Situation in den kommenden Wochen oder auch Monaten entwickeln wird. Wie blicken Sie in die Zukunft bzw. gibt es schon Überlegungen, wie mit dieser Situation umgegangen werden könnte?
Als wir vor drei Jahren mit „Home of Rock“ gestartet sind, wollten wir internationale Künstler auf die Dessauer Bühnen holen, deren Deutschlandkonzerte sonst nur in Hamburg, Berlin, Leipzig oder München stattfinden. Mittlerweile freuen sich viele dieser Künstler darauf, wiederzukommen - und unsere Gäste ebenso. Wir sehen nach wie vor einen Bedarf an unseren Konzerten und „Home of Rock“ als eine Bereicherung der Dessauer Kulturwelt. Da wir alle nicht wissen, wie lange die Einschränkungen gelten, ist unklar, wann es weitergeht. Was wir wissen ist, dass es Home of Rock auch weiterhin geben wird. Das sind wir unseren Gästen schuldig. Die Frage ist für uns also nicht ob es weiter geht, sondern wann endlich. Am 6. Juni soll die „Escape-Club-Night“ stattfinden. Sechs Acts sollen da auf der Bühne stehen. Da ist einiges an Vorlauf nötig und viele Kosten entstehen lange vor einem solchen Ereignis. Irgendwann in den nächsten Wochen muss - gemeinsam mit allen Mitwirkenden - auch dazu eine Entscheidung getroffen werden.

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