Do, 22. Mai, Beatclub Dessau
Sternbuschweg

LEO-LIVE verabschiedet sich. Nach sieben feinen Konzerten findet die Reihe mit den (fast) Lokalmatadoren von Sternbuschweg am 22. Mai im Dessauer Beatclub und am 21. Mai im Magdeburger BlowUp! ein vorläufiges Ende. Genug der Perlen... Vorab spielten Sebastian von Stern-
buschweg und Sebastian vom LEO Frage-Antwort-Ping-Pong.
Ihr seid aus der anhaltischen Provinz ausgezogen in die weite Welt - mit der Musik oder wegen?
Sebastian: Nun, Berlin ist ja nicht weit von Dessau und ohne Frage ist es sehr spannend, in die große Stadt zu gehen und dort sein Glück zu versuchen. Wir kannten uns ja bereits aus Dessau, hatten dort schon kurz zusammen Musik gemacht und sind dann zwischen 1996 und 2000 alle nach Berlin gegangen, der Anlass war mehr oder weniger stark für jeden von uns, dort zu studieren. Gleichzeitig hatten wir aber immer die Idee und den unbedingten Willen, diese Band weiterzuführen, seit Mitte 2000 ungefähr gibt es Sternbuschweg in Berlin. Sehr praktisch war dabei, dass Berlin im Grunde genauso provinziell ist wie Dessau: wenn man einmal Kontakt hat zu Leuten aus einer bestimmten Szene (was einem aber auch erstmal gelingen muss!), dann ist man auch sehr schnell mitten im Auge des Orkans. Es gibt sehr viele Möglichkeiten für Bands in Berlin, das hatten wir in jedem Fall auch so erwartet und uns gewünscht, aber gleichzeitig gibt es so viele Bands dort, dass es unglaublich schwer ist, mit der Musik, die man macht aufzufallen. Man kann sich nackt auf die Bühne stellen, in Frauenkostümen auftreten oder während des Konzertes wie wild die Stile wechseln von Reggae über Psychedelic Rock hin zum Gregorianischen Choral, egal was: der Berliner hat das alles schon gesehen und es interessiert ihn im Grunde kein bisschen. Wir haben uns gedacht: lasst uns doch einfach tolle Musik machen, viele und berauschende Konzerte spielen und mal sehen, was so passiert. Was anderes können wir nicht tun und wollen wir auch nicht.
1998 habt ihr ja in Dessau den Local Heroes gewonnen - wann tretet ihr hier wieder an?
Sebastian: Dieser Bandwettbewerb damals war ja unser erster Auftritt als Sternbuschweg. Wir haben auch gleich gewonnen, was eigentlich etwas befremdlich ist: bei Bandwettbewerben siegen ja meistens Altmännerbands, die endlose abgeschmackte Gitarrensoli spielen und sich Handtücher in die Hose stecken. Aber wir hatten dieses Konzept einfach ausgehebelt... Liebe Nachwuchsbands, ein kleiner Tipp am Rande: es schadet nie, mit der Jury auf Du zu sein, sie auf unzählige Hefeweizen einzuladen und ihnen zu versprechen, wenn wir nur groß rauskämen, dann hätten wir für alle einen Job parat. Für weitere Anregungen: einfach die Filme "Der Pate" Teil 1 bis 3 anschauen... Wenn man uns fragt, wir würden jederzeit wieder dort auftreten, sehr gerne sogar! Aber dann bitte als Gäste; bei Bandwettbewerben als Kandidaten anzutreten, über diese Entwicklungsphase als Band sind wir dann doch hinaus.
Liebe, Melancholie und Scheitern sind durchaus häufig auf eurem Erstlingswerk auftauchende Themen - sind dies auch die stetigen Begleiter bis zum Debüt nach immerhin 6 Jahren gewesen?
Sebastian: Ganz klar ist unsere Bandgeschichte in gewisser Weise eine Geschichte des Scheiterns: wir hatten recht früh einige Chancen, wurden viel auf Radio Fritz gespielt und sind irgendwie in diese damalige Szene der "Berliner Schule" reingerutscht. Aber man muss sagen: wir waren damals noch nicht soweit, wirklich groß rauszukommen, haben davon Abstand genommen und uns die Zeit gegeben, als Band so zu reifen und so gut zu werden, wir wir immer wollten, dass wir es sein würden. Jetzt sind wir soweit und wir gehen raus und wollen allen Leuten da draußen, die es interessiert, zeigen, wer wir sind und was diese Band ausmacht. Verliebt ist man auch von Zeit zu Zeit, das geht mal gut und mal nicht, und immer ist auch Melancholie dabei; Freude darüber, was für ein großartiges Leben man führt, trotzdem würde man gerne auch andere Dinge tun und hat viel verpasst und fühlt sich alleine in dieser großen Stadt; die Themen, um die es in den Sternbuschweg-Songs geht, haben immer auch sehr viel mit uns selbst zu tun. Keine Frage.
Drei Worte, warum man euer Konzert auf keinen Fall versäumen darf...
Sebastian: Because it`s Glamorous-Indie-Rock´n´Roll!
Soweit die Fragen vom Sebastian-LEO und dann ging‘s andersrum...
Wie kamt ihr vom LEO-Magazin auf diese schöne Idee, eine so gut ausgewählte Konzertreihe zu veranstalten?
Sebastian: Weil wir dachten, die Welt ist auch in der Provinz bereit und es gemacht werden musste...
Dessau hat ja durchaus Einiges zu bieten, viele Leute, denen man erzählt, dass man aus Dessau kommt, kennen das Bauhaus. Weiß man das denn in Dessau eigentlich richtig zu schätzen (bekanntlich ist ja der Prophet im eigenen Land nichts wert)?
Sebastian: Ob das jeder zu schätzen weiß bleibt zu hoffen. Leider bleibt manchmal der Eindruck, dass der Hauptsitz einer Baumarktkette mehr gewertschätzt würde...
Hörbeispiele
„Sternbuschweg“ - http://www.myspace.com/sternbuschweg
Fotos vom Event
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